Begleitende Spaziergänge zum Fotowettbewerb

„Und ich machte mich aus dem Staub, immerfort lachte ich ganz laut auf den Weg nach Hause; durch die kleinen Gassen lief ich, kletterte auch einmal schnell eine Treppe herauf um in einen Garten zu gucken, auf dem Rasen stand die Königin Luise, zwar manche Kinder behaupteten, es sei die Flora aus Athen. Auch standen schöne blaue und rosa Vergißmeinnicht auf den Beeten, meine Lieblingsblumen. – Aber die Schulaufgaben mußte ich ja noch machen. Ich hatte gar keine Lust. Aufsätze wurden mir immer besonders schwer zu schreiben.“

[Else Lasker Schüler Werke und Briefe Bd. 4.1, S. 145] Nur für Kinder über fünf Jahr

„Mein lieber Vater, meine teure Mutter, in der seltsamen dunklen Arbeiterstadt mit den tausenden Schornsteinen über dem Wuppertal und den Rheinlanden! Einsam wandele ich nun durch die engen berückenden Straßen, steige die vielen Hügel hinan, plötzlich steht eine hohe Treppe vor einem, angelangt steht man in einem Garten voller Veilchen und die wunderbaren lilalen Schaumkrautwiesen! „

[Bd. 4.1, S. 97f] Kindheit in Wuppertal

„Aber ich bin verliebt in meine zahnbröckelnde Stadt, wo brüchige Treppen so hoch aufsteigen, unvermutet in einen süßen Garten, oder geheimnisvoll in ein dunkleres Viertel der Stadt.“ [Gesichte 1913]

Diese Situation hat Else Lasker-Schüler offenbar geprägt, sie erzählt mehrfach davon, finden wir sie heute vielleicht so oder ähnlich auch noch? Stadtspaziergänge auf den Spuren von Else Lasker-Schüler veranstalten wir übers Jahr zusammen mit Fotografen und/oder lokalen Initiativen, Vereinen, Schulen. Die Termine werden hier und über Wuppertal-live.de bekanntgegeben oder sprechen Sie uns an …

Mit dem Fotowettbewerb und den begleitenden Spaziergängen soll insbesondere die Diskussion des Urban Gardening Manifestes und des „Rechtes auf Stadt“ befördert werden, um eine Transformation hin zu einer ‚gartengerechten‘ Stadt zu befördern. So wie in der ‚autogerechten‘ Stadt alle das Recht auf einen Parkplatz hatten, sollte in der gartengerechten Stadt allen ein fußläufiger Zugang zur Stadtnatur garantiert werden.“ (http://urban-gardening-manifest.de/) Wuppertal als grüne Großstadt hat dieses Potential, das wir gerne zusammen entwickeln wollen.

Laßt uns also „einfach Losgehen“ wie der Spaziergangswissenschaftler Bertram Weisshaar fordert. „Nichts führt dichter in die Welt hinein als das Gehen. Und dies kann auch vor der eigenen Haustür seinen Anfang nehmen. Eine Wanderung dort zu beginnen, scheint sogar sehr naheliegend, wortwörtlich das Nächstliegende.“

Dérive grüne Paradiesfetzen[1]

  • Gestartet wird an einem urbanen Garten oder einem anderen grünen Ort der Stadt mit Vorstellung desselben.
  • Das Gebiet für die darauffolgenden Spaziergänge kann auf ein Quartier oder Stadtteil eingeschränkt werden.
  • Zu Anfang wird eine konkrete Dauer festgelegt. Es sollten mind. zwei Stunden veranschlagt werden, besser sind aber drei oder gar vier.
  • Abschlussrunde mit Präsentation am Folgetag und/oder Online.

Generelles Vorgehen

Es ist eminent wichtig, sich stets an die folgenden Regeln zu halten und nicht zu mogeln. Oft hat man eine Präferenz für eine der möglichen Alternative oder die Würfel bringen einer wieder dahin, wo man hergekommen ist. In solchen Fällen ist die Versuchung groß, die Regeln zu beugen, da heißt es stark bleiben!

  • Jede Strecke wird komplett zufällig mit Hilfe von Würfeln festgelegt.
  • Varianten je nach größe des Gebietes oder der beteilgten Gruppe:
    • Spaziergang/Zu Fuss – Man streift durch die Stadt und erwürfelt an jeder Kreuzung/­Abzweigung/­Weggabelung den weiteren Weg.
    • Tour mit dem Fahrrad/Pedelec oder
    • Tour im Verkehrsverbund: zu Fuss kombiniert mit dem ÖPNV:
      Man unterscheidet hier Fahr- und Laufstrecken:
      • Eine Fahrstrecke endet nach einer ausgewürfelten Anzahl von Stationen oder an der Endstation.
      • Eine Laufstrecke endet, sobald man auf eine Haltestelle des ÖPNV trifft.
  • Am Ende einer Strecke wird per Würfel eine neue Strecke bestimmt.

[1] https://tychologie.wordpress.com/2011/08/30/stadtwandler-eine-anleitung-zum-derive/